Über Nacht weißes Haar?

A: Laut Fachleuten aus der Dermatologie und Medizin gibt es keine Krankheit oder Störung, die dazu führt, dass eine bereits ausgetretene Haarsträhne über Nacht schlagartig weiß wird. Sobald ein Haarschaft aus der Kopfhaut herausgewachsen ist, handelt es sich nämlich um totes Gewebe. Es gibt darin weder Nerven noch Blutgefäße, die dem Haar nachträglich seine Pigmente entziehen könnten.
Das Marie-Antoinette-Syndrom & Diffuser Alopecia areata
Das Phänomen, auf das dein Bekannter anspielt, ist in der Medizin als Canities subita bekannt – oder populärer ausgedrückt als Marie-Antoinette-Syndrom (gelegentlich auch Thomas-Morus-Syndrom). Bekannte Legenden besagen, dass sowohl Sir Thomas Morus als auch Marie Antoinette in der Nacht vor ihren Hinrichtungen ein schlagartiges Ergrauen ihrer Haare erlebten.In Wirklichkeit legen historische Berichte jedoch nahe, dass die plötzliche Veränderung ihres Aussehens schlichtweg durch extremen, stressbedingten Haarausfall verursacht wurde – kombiniert mit der Tatsache, dass sie während ihrer Haft keinen Zugriff mehr auf ihre gewohnten Haarfärbemittel, Perücken oder kosmetischen Puder hatten.
Die wichtigste wissenschaftliche Erklärung für Fälle, in denen das Haar scheinbar spontan weiß wird, ist eine Autoimmunerkrankung namens diffuser Alopecia areata. Bei dieser Form des Haarausfalls greift das eigene Immunsystem fälschlicherweise die Haarfollikel an, was dazu führt, dass sich die Haare rasch lockern und ausfallen. Der entscheidende Punkt dabei: Diese Erkrankung greift selektiv pigmentierte (dunkle) Haare an, während sie nicht-pigmentierte (graue oder weiße) Haare völlig unangetastet lässt.
Wenn du eine ausgeglichene Mischung aus grauem und dunklem Haar hast (einen sogenannten „Salz-und-Pfeffer-Look“) und an diffuser Alopecia areata erkrankst, können die dunklen Haare innerhalb sehr kurzer Zeit ausfallen. Dieser plötzliche Verlust lässt nur noch die weißen Strähnen zurück – was optisch den täuschenden Eindruck erweckt, man sei über Nacht komplett ergraut.
Wie extremer Stress die Haarpigmentierung beeinflusst
Obwohl ein heftiger Schock ein bereits herausgewachsenes Haar nicht direkt ausbleichen kann, zeigen moderne Forschungen aus den Neurowissenschaften und der Dermatologie, dass akuter Stress die pigmentproduzierenden Stammzellen (Melanozyten-Stammzellen) in deinen Haarfollikeln direkt schädigen kann.Eine plötzliche Schwemme von Stresshormonen kann diese Stammzellen dauerhaft beeinträchtigen oder einen raschen, diffusen Haarausfall (Telogeneffluvium) auslösen. Das führt letztlich dazu, dass neu nachwachsendes Haar viel schneller weiß nachwächst, als es unter normalen Umständen der Fall gewesen wäre.
©Hairfinder.com
Siehe auch: Noch mehr Fragen zu graues Haar