Haare Färben für Männer

Ein Mann, der sich die Haare färben lässt
Bild: Giorgiomtb/Shutterstock
F: Färben sich nur schwule Männer die Haare?
 
A: Ganz klar: Nein. Die Vorstellung, dass sich nur schwule Männer die Haare färben, ist ein absoluter Trugschluss. Dieser Mythos hält sich vor allem deshalb, weil viele heterosexuelle Männer es in der Vergangenheit lieber dezent und konservativ angingen, wenn es um Veränderungen ihres Aussehens ging.
 
Schwule Männer waren in vielen Punkten einfach schon früher offener, was Pflege, Mode und kosmetische Behandlungen angeht. Dadurch wurde das Haarfärben in diesen Szenen schneller sichtbar. Sichtbarkeit solltest du jedoch niemals mit Exklusivität verwechseln: Männer jeder sexuellen Orientierung färben sich aus den unterschiedlichsten persönlichen Gründen die Haare.
 

Eine lange Geschichte der Haarfarben

In Wirklichkeit färben sich Männer schon seit Jahrhunderten die Haare. Lange bevor es moderne Haarfarben gab, nutzten die Menschen natürliche Zutaten wie Henna, Walnussschalen, Kräuter und mineralische Pigmente, um ihr Haar dunkler zu machen oder zu veredeln. Im Laufe der Geschichte war das Verändern der Haarfarbe schon immer eng mit Mode, Status, Selbstentfaltung und auch ganz praktischen Dingen – wie dem Überdecken von grauen Haaren – verbunden.
 
Tatsächlich gibt es Produkte, die speziell auf die Bedürfnisse von Männern zugeschnitten sind, fast schon seit dem Aufkommen kommerzieller Haarfarben. Bereits in den 1950er- und 1960er-Jahren gab es sogenannte Color-Rinses (Farbspülungen, die im Haar verbleiben). Diese bauten sich nach und nach im Haar auf, deckten Grau stufenweise ab und sorgten für ein besonders natürlich wirkendes Ergebnis. Solche Produkte wurden gezielt für Männer vermarktet, die jünger aussehen wollten, ohne dass die Veränderung sofort jedem ins Auge stach.
 
Great Day von Clairol
„Great Day“ von Clairol – Vintage-Haarprodukt für Männer

Traditioneller Barbershop vs. Salon

Ein weiterer Faktor ist, dass Männer und Frauen über lange Zeit hinweg getrennte Orte für ihre Haarpflege nutzten. Frauen gingen typischerweise in den Schönheitssalon, während Männer zum Barbier oder Herrenfriseur gingen.
 
Jeder Laden bediente die damaligen Interessen und Erwartungen seiner Kundschaft: Schönheitssalons boten routinemäßig Färben, Dauerwellen und Styling an, während sich Barbierläden traditionell auf Haarschnitte und Rasuren konzentrierten. Infolgedessen wurde das Haarfärben in der Öffentlichkeit viel stärker mit Frauen in Verbindung gebracht – obwohl auch damals schon viele Männer ihre Haare heimlich zu Hause färbten.
 
Heute sind diese Unterschiede weitgehend verschwunden. Moderne Barbershops bieten neben den traditionellen Friseurdienstleistungen völlig selbstverständlich auch Haarfärbungen, Grau-Tönungen, Strähnchen und Bartfärbungen an. Genauso heißen auch klassische Salons Kunden aller Geschlechter willkommen. Das Haarfärben hat sich damit von starren Rollenbildern gelöst und ist zu einer ganz normalen Pflegedienstleistung geworden.
 

Persönliche Entscheidung und kulturelle Normalisierung

Die moderne Gesellschaft hat die Gründe, warum Männer sich die Haare färben, schlichtweg erweitert. Manche möchten graue Haare kaschieren, um ein jugendliches Erscheinungsbild zu bewahren. Andere experimentieren gerne mit verschiedenen Nuancen oder dezenten Highlights. Für viele Männer unterscheidet sich das Haarfärben heute nicht mehr davon, sich einen Bart wachsen zu lassen, sich einen stylischen Haarschnitt zuzulegen oder das eigene Outfit aufzuwerten.
 
Auch Prominente und Personen des öffentlichen Lebens haben maßgeblich dazu beigetragen, das Thema zu normalisieren. Schauspieler, Sportler, Musiker und TV-Persönlichkeiten färben sich regelmäßig die Haare – sei es, um Grau abzudecken, oder einfach, weil sie Lust auf einen bestimmten Look haben. Da solche Style-Entscheidungen heutzutage absolut alltäglich sind, empfinden die meisten Menschen das Haarfärben bei Männern längst nicht mehr als ungewöhnlich.
 
©Hairfinder.com
 
Siehe auch: Noch mehr Fragen zu Haar Färben