Gummibänder im Haar

Haarschmuck für Kinder
Bild: Shutterstock
F: Ich habe eine kleine Tochter, die knapp zwei Jahre alt ist. Manchmal schickt die Kita sie mit süßen Gummibändern im Haar nach Hause, was einfach niedlich aussieht. Wenn ich ihr am Abend nicht die Haare wasche, lasse ich die Bänder beim Schlafen manchmal drin und lasse die Frisur auch am nächsten Tag einfach so. Meine Mutter macht sich allerdings Sorgen, dass das ihren Haaren schaden könnte. Ist da wirklich was dran?
 
A: Deine Mutter hat absolut recht! An ihren Sorgen ist aus mehreren wichtigen Gründen definitiv etwas dran.
 
Erstens: Handelt es sich um echte Kautschuk-Gummibänder (wie man sie im Büro oder für Zeitungen verwendet), beschädigt das Material das Haar massiv. Das Gummi haftet extrem fest an der Oberfläche des Haarschafts und raut die empfindliche Schuppenschicht auf. Das macht das Haar kraftlos, kraus und extrem anfällig für Haarbruch. Doch selbst bei den kleinen, durchsichtigen Mini-Elastikbändern, die in Kitas oft genutzt werden, entsteht durch das lange Tragen eine punktuelle Reibung, die das feine Kleinkindhaar stark schwächt.
 
Zweitens: Wenn die Bänder dazu genutzt werden, das Haar stramm am Kopf zu befestigen (wie bei Zöpfen oder Pferdeschwänzen), und du dein Kind damit schlafen lässt, erzeugt der Druck auf die Matratze dauerhaft zusätzliche Spannung auf das Haar entlang des Scheitels und des Haaransatzes. Dieses ständige Ziehen kann zu einer sogenannten Traktionsalopezie führen — einer Form von Haarausfall, die durch dauerhaften Zug an den Haarfollikeln entsteht. Selbst wenn das Haar nicht komplett ausgerissen wird, dehnt und bricht die Spannung die einzelnen Strähnen. Das hinterlässt in diesen Bereichen oft einen ausgefransten, abgebrochenen Haar-Heiligenschein (Halo).
 
Pferdeschwanz, gemacht mit einem Gummiband
 
Drittens: Wie du die Bänder entfernst, ist genauso wichtig. Ziehe oder schiebe Elastikbänder niemals einfach so aus dem Haar, da dies die Schuppenschicht abstreift und die Strähnen schädigt. Schneide Mini-Gummis stattdessen vorsichtig mit einer Baby-Nagelschere auf oder gib einen Tropfen Kokos- oder Olivenöl direkt auf das Gummi. Das Öl zersetzt das Material im Nu, sodass das Band aufplatzt, ohne auch nur an einer einzigen Strähne zu ziehen.
 
Viertens: Abgesehen von der Haargesundheit stellt das Belassen kleiner Elastikbänder im Schlaf bei einem Kind unter zwei Jahren eine ernsthafte Erstickungsgefahr dar. Kleinkinder greifen sich beim Hin- und Herwälzen oder nach dem Aufwachen oft ins Haar. Gelöste Bänder können dann unbeaufsichtigt schnell im Mund landen.
 
Wir haben im Laufe der Jahre gelernt, dass man Haare möglichst schonend zusammenbinden sollte — ganz besonders bei den Kleinen. Wenn du tagsüber ein Band verwenden möchtest, wähle immer eines, das nicht am Haar kleben bleibt. Halte am besten Ausschau nach stoffummantelten Haargummis oder weichen Scrunchies.
 
Vermeide es, das Haar zu stramm zu frisieren, und nimm die Bänder vor dem Schlafengehen grundsätzlich heraus. Die Frisur sieht am nächsten Morgen vielleicht nicht mehr ganz so „perfekt und ordentlich“ aus, aber dafür bleibt das Haar rundum gesund — und dein Kind ist sicher.
 
Siehe auch: Noch mehr Fragen zu strapaziertes Haar