Graue Haarnuancen

Graues Haar mit verschiedenen Nuancen
 
F: Gibt es wirklich verschiedene Grautöne bei Haaren oder wirken sie nur durch die Mischung mit den restlichen Haaren auf der Kopfhaut unterschiedlich? Ich versuche herauszufinden, ob alle grauen Haare silbrig aussehen oder ob manche tatsächlich grau oder weiß sind.
 
A: Sobald ein einzelnes Haar grau oder weiß wird, bedeutet das: Der Follikel verlangsamt die Produktion von Melanin (dem Pigment, das dem Haar seine natürliche Farbe verleiht) oder stellt sie komplett ein.
 
Streng genommen sind einzelne Haarsträhnen selten wirklich „grau“. Ihre Palette reicht vielmehr von transparentem Weiß über ein blasses Gelb bis hin zu strahlendem Silber. Eine einzelne Strähne kann aber tatsächlich grau wirken, wenn der Pigmentverlust gerade noch voll im Gange ist:
 
• Teilweiser Pigmentverlust (Echtes Grau): Wenn die pigmentproduzierenden Zellen (Melanozyten) zwar langsamer arbeiten, aber noch nicht komplett abgeschaltet sind, wächst das Haar mit einer reduzierten Menge Melanin nach. Das erzeugt einen echten Grau-, Graubraun- oder Zinn-Ton.
 
• Vollständiger Pigmentverlust (Weiß/Silber): Wenn die Pigmentproduktion vollständig eingestellt wird, verliert der Haarschaft jegliches Melanin und wird vollkommen transparent.
 
Das „Grau“, das du insgesamt auf dem Kopf einer Person siehst, ist jedoch größtenteils eine optische Täuschung. Es entsteht primär durch den typischen „Pfeffer-und-Salz-Effekt“: eine Kombination aus natürlich pigmentierten, dunklen Haaren, die direkt neben transparenten, weißen Haaren liegen. Wie dicht die weißen Haare im Vergleich zu den dunklen stehen, entscheidet letztlich darüber, ob das Haar insgesamt stahlgrau, silbern oder schneeweiß wirkt.
 

Warum weißes Haar nicht durchsichtig aussieht

Selbst ohne Pigmente ist ein Haar nicht durchsichtig wie Glas. Der Haarschaft besteht aus Keratin-Protein, das mit mikroskopisch kleinen Luftbläschen gefüllt ist. Wenn Licht auf diese Luftlöcher und Strukturen trifft, wird es in alle Richtungen gestreut. Genau dadurch erscheint die Strähne für unser Auge weiß.
 
Zusätzlich hat Keratin von Natur aus einen leicht gelblichen Stich. Umwelteinflüsse – wie UV-Strahlung, kalkhaltiges Wasser, Hitzestyling oder Rauchen – können diesen Effekt noch weiter verstärken. Dadurch wirkt unpigmentiertes Haar oft eher gelblich oder „off-white“ statt strahlend silbrig.
 
Die Wissenschaft hinter grauem Haar
 

Die Transparentpapier-Analogie

Um zu verdeutlichen, wie das funktioniert, nimmst du am besten ein Blatt Transparentpapier (oder Butterbrotpapier). Lege das Transparentpapier auf farbige Blätter, staple ein weiteres Blatt Transparentpapier darauf und beobachte, wie sich die Farbe verändert.
 
Je mehr Blätter Transparentpapier du aufeinanderstapelst, desto weißer und undurchsichtiger wird der Stapel, weil sich das Licht in den vielen halbdurchsichtigen Schichten bricht. Wenn du es auf farbiges Papier legst, vermischt sich das Licht, das vom weißen Transparentpapier zurückgeworfen wird, mit der reflektierten Farbe darunter. Dadurch wirkt die Farbe gedämpft oder leicht verschwommen. Ganz ähnlich verhält es sich, wenn sich weiße und pigmentierte Haare auf der Kopfhaut vermischen.
 

Warum Haar nass dunkler wirkt

Wenn Haar nass wird, umhüllt das Wasser die Strähnen und füllt die winzigen Luftlücken im Inneren sowie zwischen den Haarfasern aus. Da Wasser und Haarkeratin einen sehr ähnlichen Brechungsindex für Licht haben, geht das Licht fast direkt hindurch, anstatt an den inneren Oberflächen gestreut zu werden. Weil somit weniger Licht zu deinen Augen zurückgeworfen wird, wirkt das Haar deutlich dunkler und transparenter.
 
Dieser Effekt ist bei unpigmentiertem Haar noch viel ausgeprägter, da dessen weißes Erscheinungsbild komplett auf diesen kleinen Luftbläschen basiert. Probier den Transparentpapier-Test ruhig noch einmal aus, aber besprühe das Papier diesmal mit etwas Wasser: Du wirst direkt sehen, wie es schlagartig klarer und dunkler wird!
 
©Hairfinder.com
 
Siehe auch: Noch mehr Fragen zu graues Haar