Lockiges Haar ausdünnen

Effilierschere
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F: Sollte man naturlockiges Haar ausdünnen lassen? Ich habe bemerkt, dass mein Haar trockener geworden ist und sich nicht mehr so gut lockt, seitdem ich es ausdünnen lasse.
 
A: Das Ausdünnen der Haare wird genutzt, um Volumen zu reduzieren. Durch die richtigen Techniken zur Gewichtsreduzierung lässt sich die Masse an ganz spezifischen Stellen herausnehmen. Eine der Hauptnebenwirkungen des aggressiven Ausdünnens von lockigem Haar ist jedoch, dass einzelne Strähnen ihre „Begleithaare“ verlieren. Lockiges Haar ist darauf angewiesen, dass sich mehrere Strähnen zu zusammenhängenden Einheiten verbinden – den sogenannten „Lockenbündeln“. Wenn diese Bündel gestört werden, fehlt dem Haar der gemeinsame Schutz vor Umwelteinflüssen, was zu einem raschen Feuchtigkeitsverlust führt.
 

Feuchtigkeitsgehalt

Eine häufige Beobachtung von Menschen, die sich die Haare ausdünnen lassen, ist, dass sie viel schneller trocknen. Das mag im ersten Moment praktisch erscheinen, bedeutet aber, dass das Haar seine schützende Feuchtigkeitsschicht viel zu schnell verliert. Dadurch werden ihm die natürlichen Öle entzogen, die es geschmeidig und gepflegt halten. Verliert lockiges Haar jedoch seine Feuchtigkeit, gehen auch seine Elastizität und seine natürliche Spannkraft verloren.
 
Da das Haar an Gesundheit und Feuchtigkeit einbüßt, lässt es sich schwerer bändigen und tut sich schwer damit, zusammenhängende Locken zu bilden. Anstelle von glatten, gut definierten Formen wirkt es strohig und strähnig. Das ist bei naturlockigem oder welligem Haar besonders spürbar, da Locken vollständig von einem ausgewogenen Feuchtigkeitshaushalt abhängen, um ihr gleichmäßiges Muster zu bewahren.
 

Werkzeuge und Techniken

Es ist außerdem entscheidend zu verstehen, dass die gewählten Werkzeuge und Techniken zur Gewichtsreduzierung den entscheidenden Unterschied machen. Traditionelle Effilierscheren (die Scheren mit den Zähnen) sowie das Entlanggleiten mit einem Rasierer oder einer Klinge am Haarschaft sollten bei naturlockigem Haar niemals verwendet werden. Diese Werkzeuge schneiden zufällige Strähnen auf unterschiedlichen Höhen entlang der Haarlänge ab. Da sich lockiges Haar von Natur aus ausdehnt, wirken diese kurzen Innenhaare wie kleine Federn: Sie drücken gegen die längeren Haare und erzeugen massiven Frizz im Haarinneren, abstehende Haare und ein völlig zerstörtes Lockenmuster.
 
Noch schlimmer: Wenn diese kurzen Innenhaare in den folgenden Monaten nachwachsen, liegen sie nicht flach an. Sie bilden ein dichtes, aufgebauschtes Polster auf mittlerer Haarlänge, das deine äußeren Locken nach außen drückt – wodurch das Haar mit der Zeit sogar noch voluminöser wirkt.
 
Zudem hinterlassen Rasierer und Effilierscheren ausgefranste, schräge Schnittkanten am Haarschaft, was die Porosität deiner Haare drastisch in die Höhe treibt. Das bedeutet: Sie nehmen Wasser zwar schnell auf, verlieren es aber genauso schnell wieder, während die Spitzen viel anfälliger für wandertenden Spliss werden.
 
Stattdessen wird eine Stylistin oder ein Stylist, die oder der auf lockiges Haar spezialisiert ist, das Volumen kontrollieren – und die gefürchtete Dreiecksform vermeiden –, indem sie oder er die Geometrie des Haarschnitts selbst nutzt. Durch strategisches Stufen am Oberkopf oder trockenes, punktuelles Ausarbeiten der Form (curl-by-curl carving) reduzieren Profis die Masse und lassen die oberen Schichten hochspringen, ohne die innere Struktur des Haares zu schädigen.
 
Frau mit wunderschönem lockigen Haar
 

Ratschläge

In deiner Situation empfehle ich dir, erst einmal mit einem Mikro-Trimmschnitt bei einer Lockenspezialistin oder einem Lockenspezialisten zu beginnen. So werden die ausgefransten, ungleichen Spitzen abgeschnitten, die die Effilierschere hinterlassen hat – bevor der Spliss weiter den Haarschaft hinaufwandert. Starte eine tägliche Pflegeroutine mit einem Leave-in-Conditioner-Spray und kombiniere diese mit einer wöchentlichen Tiefenpflegemaske (Deep Conditioner). Wenn sich dein Haar trotz intensiver Pflege schlaff oder strohig anfühlt, wechsle deine Feuchtigkeitsbehandlungen mit einer milden Proteinbehandlung ab. Das hilft dabei, die beschädigte Schuppenschicht der Haare zu reparieren und die Feuchtigkeit im Inneren einzuschließen.
 
Es wird dir außerdem helfen, eine lockendefinierende Creme oder ein feuchtigkeitsspendendes Gel auf das tropfnasse Haar aufzutragen. Diese Produkte schließen das Wasser im Haar ein, bevor das Lufttrocknen Frizz verursachen kann. Zudem helfen sie den einzelnen Strähnen dabei, wieder zueinanderzufinden und glatte, gleichmäßige Bündel zu bilden.
 
Eine weitere hilfreiche Angewohnheit ist es, Hitzestyling auf ein Minimum zu reduzieren. Häufiges Föhnen ohne Diffusor oder mit hoher Hitze trocknet Haar, das strukturell bereits geschädigt ist, nur noch weiter aus. Wenn du Hitze verwendest, trage immer zuerst einen Hitzeschutz auf und nutze den Diffusor auf niedriger, kühler Stufe.
 
Das Schlafen auf einem Kissenbezug aus Satin oder Seide kann außerdem die Reibung über Nacht drastisch reduzieren, die sonst die fragilen Lockenbündel auseinanderreißt.
 
Denk daran: Naturlockiges Haar benötigt selten bis gar kein klassisches Ausdünnen. Vermeide das Ausdünnen im Haarinneren komplett. Suche stattdessen nach jemandem mit Erfahrung im Trockenschneiden von Locken, der deinen Haarschnitt visuell formen kann und das Gewicht gezielt durch die richtige Formgebung und Stufung reduziert – ganz ohne Ausdünnwerkzeuge.
 
©Hairfinder.com
 
Siehe auch: Noch mehr Fragen zu lockigem Haar