Friseure Wechseln

Unzufriedene Friseursalon-Kundin
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F: Warum gehen viele Frauen weiterhin zum selben Friseur, selbst wenn die Qualität des Haarschnitts zu wünschen übrig lässt? Haben sie Angst, einen neuen Stylisten auszuprobieren, oder spielen andere Faktoren eine Rolle?
 
A: Das Friseurhandwerk funktioniert völlig anders als fast jedes andere Geschäft. In den meisten Läden kaufst du einfach ein einzelnes Produkt. Wenn die Qualität dort nicht deinen Erwartungen entspricht, denkst du dir absolut nichts dabei, beim nächsten Mal in ein anderes Geschäft zu gehen und eine andere Marke auszuprobieren.
 
Ein Friseurbesuch ist jedoch eine zutiefst persönliche Dienstleistung. Wie wohl du dich bei der Person fühlst, die da die Schere schwingt, ist fast genauso wichtig wie das Endergebnis des Haarschnitts selbst. Schließlich erfordert es eine Menge Vertrauen, im Stuhl eines Stylisten zu sitzen. Du teilst deine Wünsche sehr persönlich mit, und ein guter Stylist sorgt mit seiner Art dafür, dass du dich rundum gehört, geschätzt und gut aufgehoben fühlst.
 
Aus diesem Grund entwickeln Kundinnen und Kunden ziemlich schnell eine Art „geschäftliche Freundschaft“ mit ihrem Friseur. Du triffst diese Person vielleicht niemals außerhalb des Salons, aber die emotionale Bindung fühlt sich in diesem Moment trotzdem absolut echt an. Das schafft eine starke Loyalität. Sie räumt dem Stylisten weit mehr Nachsicht ein, wenn ein Haarschnitt mal komplett danebengeht, als du es jedem anderen beliebigen Dienstleister jemals zugestehen würdest.
 
Gleich mehrere Schlüsselfaktoren sind dafür verantwortlich, dass Menschen starr in demselben Stuhl sitzen bleiben – selbst nach einem nachweislich schlechten Schnitt:
 
• Risikoaversion und haarige Vorgeschichte: Ein verhauener Haarschnitt ist für jeden sofort sichtbar und braucht meist Monate, um überhaupt wieder nachzuwachsen. Hinzu kommt: Dein aktueller Stylist kennt deine ganz persönliche Haarstruktur, jedes hartnäckige Wuchsmuster, deine bisherige Farbgeschichte und sämtliche Eigenheiten deiner Haare schon ganz genau. Jemanden völlig Neuen auszuprobieren, fühlt sich daher wie ein riesiges Risiko an. Man muss wieder komplett von vorne anfangen und sich einem Fremden anvertrauen, der am Ende vielleicht einen noch viel schlimmeren Fehler macht.
 
• Druck durch Empfehlungen: Oft erfordert die gezielte Suche nach einem neuen Stylisten eine langwierige Recherche, oder sie kommt direkt durch eine Empfehlung von Freunden oder der Familie zustande. Das verleiht der ganzen Beziehung ein zusätzliches, schwerwiegendes soziales Gewicht. Den Friseur am Ende zu wechseln, kann sich plötzlich so anfühlen, als würde man das Urteil eines guten Freundes offen infrage stellen. Oder man riskiert unangenehme Situationen, falls dieser später mal beiläufig nach deinen Haaren fragt.
 
• Autoritätsgläubigkeit: Viele Kunden betrachten den Friseur reflexartig als unfehlbaren ästhetischen Experten und fügen sich widerstandslos seinem Urteil. Wenn ein Stylist absolut selbstbewusst behauptet, dass gerade dieser spezielle, scharfkantige Schnitt unglaublich gut aussieht, fangen Kunden an, an ihrem eigenen Geschmack zu zweifeln. Sie nehmen den Rat schließlich an – selbst dann, wenn ihnen der neue Look im Innersten überhaupt nicht gefällt.
 
• Anpassung und kognitive Dissonanz: Wenn du erst einmal an einen verpatzten Haarschnitt gebunden bist, den du so schnell unmöglich ändern kannst, schaltet sich das Gehirn ein, um dem Frust sofort den Wind aus den Segeln zu nehmen. Nach ein paar Tagen redest du dir deshalb geschickt ein, dass dir der gewagte Style „ja doch immer besser gefällt“ – schlichtweg, weil du jetzt ohnehin damit leben musst.
 
• Soziale Hemmungen und Unbehagen: Den Stylisten direkt im Moment der bitteren Enttäuschung zu konfrontieren oder einfach stillschweigend zu einem anderen Salon zu wechseln, kann sich extrem unangenehm anfühlen. Viele Menschen entscheiden sich am Ende eben doch lieber für die Bequemlichkeit einer vertrauten Routine, anstatt sich der Sorge vor einem schwierigen, unbequemen Gespräch auszusetzen.
 
Auch wenn das erklärte Ziel eines jeden guten Stylisten eigentlich immer sein sollte, exakt das abzuliefern, was sich der Kunde wünscht: All diese sozialen Zwänge und emotionalen Bindungen führen regelmäßig dazu, dass Kunden am Ende wieder zurückkehren. Dabei hilft es ungemein, sich ab und zu klarzumachen, dass es letztlich deine eigenen Haare sind, die du auf dem Kopf trägst. Du musst absolut niemals bei einem Stylisten bleiben, nur um seine Gefühle nicht zu verletzen.
 
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