Farbe aus dem Haar entfernen

A: Nun, es gibt natürlich die naheliegende Option, Terpentin oder Terpentinersatz (Farbverdünner) zu verwenden, um die Farbe aus dem Haar zu bekommen. Das sind allerdings hochaggressive chemische Verbindungen, die üble Nebenwirkungen haben können. Sie reizen die Haut stark und können sogar schwere chemische Verbrennungen auf der Kopfhaut verursachen – ganz zu schweigen von dem extrem stechenden, unangenehmen Geruch.
Glücklicherweise gibt es weitaus schonendere, chemisch absolut sinnvolle Wege, um Farbe aus deinem Haar zu entfernen – und in den meisten Fällen funktionieren diese hervorragend. Die beste Methode hängt ganz davon ab, ob du es mit einer Farbe auf Wasserbasis oder auf Ölbasis zu tun hast.
Für Farben auf Wasserbasis (Latex oder Acryl)
Wenn die Farbe auf Wasserbasis ist, feuchte das betroffene Haar zunächst gründlich mit warmem (aber nicht heißem) Wasser an. Gib anschließend eine großzügige Menge deines Lieblingsshampoos direkt auf die mit Farbe verklebten Strähnen und arbeite es sanft mit den Fingern ein. Wenn die Farbe bereits komplett getrocknet ist, lass das Shampoo einige Minuten auf dem Haar einwirken. Das hilft dabei, die bindenden Polymere wieder mit Feuchtigkeit zu versorgen und aufzuweichen, bevor du überhaupt versuchst, sie mechanisch zu entfernen.Wenn normales Shampoo Schwierigkeiten hat, hartnäckige, getrocknete Acrylfarbe aufzulösen, kannst du einen Tropfen herkömmliches Spülmittel direkt auf die betroffene Stelle geben. Spülmittel ist ein starker Fettlöser, der den Prozess deutlich beschleunigt. Allerdings entzieht es dem Haar auch extrem viel Feuchtigkeit – verwende es also bitte nur sehr sparsam.
Sobald sich die Farbe zu lösen beginnt, nimmst du einen feinzinkigen Kamm, um die aufgeweichte Masse vorsichtig aus dem Haar zu kämmen. Beginne dabei am besten in der Nähe der Spitzen des betroffenen Abschnitts und arbeite dich langsam nach oben vor. So verhinderst du, dass sich die Farbe zu einem festen Knoten verfilzt oder das Haar abbricht. Sei geduldig! Wenn du versuchst, die Farbe mit Gewalt herauszubekommen, kann das unnötige und dauerhafte Haarschäden verursachen.
Wiederhole das Shampoonieren bei Bedarf einfach mehrmals, bis sich auch die restliche Farbe vollständig gelöst hat. Spüle dein Haar nach dem Entfernen der Farbe gründlich aus und verwende direkt im Anschluss eine reichhaltige, feuchtigkeitsspendende Spülung (oder eine Haarkur, falls du Spülmittel verwendet hast), um die Geschmeidigkeit wiederherzustellen und die geöffnete Schuppenschicht zu glätten.

Für Farben auf Ölbasis (Alkydharz)
Bei Farben auf Ölbasis musst du nach dem chemischen Prinzip „Gleiches löst Gleiches“ vorgehen. Olivenöl ist eines der sichersten und effektivsten Hausmittel, um die Ölbindemittel aufzuspalten, ohne die empfindliche Keratinstruktur deines Haares anzugreifen. Trage das Olivenöl großzügig auf die Farbflecken auf und achte darauf, dass jede Stelle der getrockneten Farbe gut bedeckt ist. Massiere das Öl sanft in das Haar ein, damit es die Farbe richtig durchdringen und deren Haftung auf den einzelnen Strähnen lockern kann.Wenn Olivenöl dir zu flüssig ist und den Nacken hinunter oder in die Augen läuft, kannst du stattdessen auch zu cremiger Erdnussbutter oder Vaseline greifen. Sie besitzen dieselben öllösenden Eigenschaften, lassen sich durch ihre festere Konsistenz aber viel einfacher und gezielter auf bestimmte Stellen auftragen.
Wenn die Farbe noch frisch ist, kannst du sie eventuell sofort mit einem feinzinkigen Kamm herausarbeiten. Wenn die Farbe jedoch bereits eingetrocknet ist oder es sich um eine größere Menge handelt, trage reichlich von dem Öl deiner Wahl auf, wickle den Bereich in Frischhaltefolie oder eine Duschhaube und lass das Ganze einige Stunden lang einwirken. Die Frischhaltefolie speichert deine natürliche Körperwärme, was den Aufweichprozess zusätzlich beschleunigt und das Haar gleichzeitig tiefenwirksam pflegt.
Sobald sich die Farbe spürbar gelockert hat, kämme sie vorsichtig Stück für Stück von den Spitzen nach oben hin aus. Wische den Kamm zwischendurch häufig an einem Papiertuch ab, damit du die herausgekämmte Farbe nicht versehentlich wieder zurück ins Haar reibst.
Danach musst du das Haar gründlich shampoonieren, um sowohl die letzten Farbrückstände als auch das schwere Öl komplett zu entfernen. Für das beste Ergebnis trägst du das Shampoo direkt auf das noch ölige Haar auf, bevor du es mit Wasser nass machst. Shampoo verbindet sich nämlich viel besser mit Öl, wenn es nicht erst gegen eine Barriere aus Wasser ankämpfen muss. Danach alles gründlich ausspülen, bei Bedarf ein zweites Mal shampoonieren und das Ganze mit einer pflegenden Spülung abschließen.

Zusätzliche Tipps
• Kratzen vermeiden: Kratze oder zupfe getrocknete Farbe auf keinen Fall mit den Fingernägeln ab. Dies kann ganz leicht die sensible Haaroberfläche beschädigen oder das Haar samt der Wurzel ausreißen.• Den Bereich isolieren: Wenn die Farbe nur auf einen kleinen Bereich konzentriert ist, bearbeite diese Stelle separat und isoliert, anstatt direkt zu versuchen, deinen ganzen Kopf zu behandeln.
• Auf die Temperatur achten: Warmes Wasser hilft wunderbar dabei, viele Farben aufzuweichen, aber vermeide zu heißes Wasser. Hohe Hitze kann nämlich dazu führen, dass bestimmte Farbtypen erst recht aushärten oder extrem klebrig werden, was das Entfernen nur unnötig erschwert.
• Das Etikett prüfen: Wenn du dir unsicher bist, ob die Farbe auf Wasser- oder Ölbasis hergestellt wurde, sieh einfach auf der Farbdose nach oder suche online nach dem Produktetikett, bevor du dich für eine Entfernungsmethode entscheidest.
• Geduld siegt: Bei besonders hartnäckigen Stellen sind mehrere schonende Behandlungen hintereinander meistens besser als ein einziger, zu aggressiver Versuch. Wenn du dir die nötige Zeit lässt, schützt das die langfristige Gesundheit und Struktur deines Haares.
Die gute Nachricht ist, dass Farbe in den allermeisten Fällen eher an der Außenseite des Haares haftet, anstatt tief in den Haarkern einzudringen. Mit ein wenig Geduld und der richtigen Methode lässt sich selbst komplett durchgetrocknete Farbe normalerweise restlos entfernen, ohne dass du gleich zur Schere greifen musst.
©Hairfinder.com
Siehe auch: Noch mehr Fragen zu strapaziertes Haar