Dünner werdendes Haar

Das sehr lange, lockige Haar einer Frau mit Haarbruch
Bild: Djomas/Shutterstock
F: Ich habe sehr langes, lockiges Haar (glattgezogen reicht es mir bis zum Po). Es scheint, dass mein Haar immer dünner wird, je länger es wächst. Sollte ich meine Haare kürzer schneiden, um ein weiteres Ausdünnen zu vermeiden? Was kann ich tun, damit es aufhört, dünner zu werden?
 
A: Es klingt ganz so, als würdest du hier eher Haarbruch beschreiben als echten Haarausfall von der Kopfhaut. Viele Menschen – nicht nur diejenigen mit lockigem Haar – stellen fest, dass ihr Haar in den Spitzen dünner und schütterer wirkt als am Ansatz. Das liegt meistens an der Summe der täglichen Haarschäden durch eine zu grobe Handhabung, Reibung im Alltag sowie Styling oder Hitze-Stylinggeräte. Es liegt also nicht daran, dass das Haar tatsächlich schon dünner aus der Wurzel nachwächst.
 
Weil lockiges Haar von Natur aus mehr Biegungen entlang des Haarschafts hat, ist es auch wesentlich brüchiger. Jede dieser Kurven stellt eine strukturelle Schwachstelle dar, an der die schützende äußere Schuppenschicht anfälliger ist. Das macht das Haar mit zunehmender Länge leider sehr anfällig für Haarbruch.
 
Um Haarbruch effektiv zu verhindern, musst du dafür sorgen, dass dein Haar optimal gepflegt und elastisch bleibt. Deine Haare sollten jeden Tag eine Pflege (Conditioner) erhalten, ganz egal, ob du sie mit Shampoo wäschst oder nicht. Eine regelmäßige Pflege hilft, lebenswichtige Feuchtigkeit wieder aufzufüllen, glättet die Schuppenschicht und reduziert die Reibung, die sonst zu Spliss führt. Die Anwendung einer Tiefenpflege (Deep Conditioner) oder einer Haarmaske einmal pro Woche bietet zudem einen zusätzlichen, unverzichtbaren Schutz für deine ultralangen Strähnen.
 
Verwende außerdem immer ein glättendes Serum und einen Leave-in-Conditioner oder ein Entwirrungsspray, wann immer du dein Haar kämmen oder bürsten möchtest. Diese Produkte machen das Haar spürbar „rutschig“, reduzieren Knoten und sorgen dafür, dass Kämme und Bürsten mit minimalem Widerstand durch das Haar gleiten.
 
Wichtige Entwirrungs-Regel: Versuche niemals, dein lockiges Haar im trockenen Zustand zu bürsten oder zu entwirren, da dies sofort zu mechanischem Haarbruch führt. Entwirre es stattdessen nur dann, wenn das Haar komplett nass oder feucht ist und du großzügig einen gut gleitenden Conditioner oder ein Entwirrungsprodukt eingearbeitet hast.
 
Das Kämmen der Haare mit einem grobzinkigen Kamm ist dabei besonders effektiv. Wenn du lieber eine Bürste benutzt, vermeide Naturborsten (wie Wildschweinborsten), da diese bei lockigen Texturen zu viel Reibung erzeugen. Wähle stattdessen eine Bürste mit weit auseinanderstehenden, flexiblen Kunststoffborsten, die bei Widerstand nachgeben, anstatt sich mit Gewalt durch die Knoten zu arbeiten. Das bedeutet deutlich weniger Stress für deine Haarstruktur.
 
Es ist auch ratsam, den Einsatz von Hitze-Stylingtools wie Glätteisen, Lockenstäben und Haartrocknern auf hoher Stufe stark einzuschränken. Wenn du Hitze verwendest, trage bitte immer zuerst einen Hitzeschutz auf und nutze die niedrigste effektive Temperatureinstellung.
 
Bei so langem Haar wie deinem kann allein das Gewicht der Strähnen einen zusätzlichen Zug auf die Wurzeln ausüben. Bei manchen Menschen kann dieses ständige Nach-unten-Ziehen zu einem allmählichen Dünnerwerden rund um die Kopfhaut beitragen (bekannt als Traktionsalopezie) – insbesondere dann, wenn das Haar häufig zu einem engen Pferdeschwanz zusammengebunden wird. Wenn du dein Haar stattdessen öfter offen oder in lockeren Frisuren mit wenig Zug trägst, wird dieser Stress für die Haarfollikel erheblich reduziert.
 
Schutz in der Nacht: Eine häufige, versteckte Ursache für das Ausdünnen in den Längen ist die Reibung, die durch das Hin- und Herwälzen auf normalen Baumwollkopfkissen entsteht. Um deine Längen optimal zu schützen, solltest du auf einem Seiden- oder Satinkopfkissen schlafen oder deine Locken über Nacht schützen, indem du sie locker in eine Satin-Bonnet (Schlafmütze) oder ein Seidentuch steckst.
 
Um das aktuelle Erscheinungsbild deiner Haare sofort zu verbessern, kann es sehr hilfreich sein, die dünnsten, durchscheinendsten Teile der Spitzen abzuschneiden, bis du mit der Gesamtdichte wieder zufrieden bist. Ein regelmäßiger Haarschnitt ändert zwar nichts an deiner biologischen Wachstumsrate, aber er entfernt geschädigte Spitzen, bevor sich der Spliss weiter oben im Haarschaft ausbreitet. Das verleiht deinem Haar sofort ein volleres, gesünderes Aussehen.
 
Wenn du schließlich bemerkst, dass dein Haar auf der gesamten Kopfhaut merklich dünner wird und nicht nur in den Spitzen – wie zum Beispiel durch übermäßigen Haarausfall, ein Breiterwerden deines Scheitels oder deutliche kahle Stellen –, wäre es sehr ratsam, einen Dermatologen aufzusuchen. Ein Spezialist sollte das Problem genau untersuchen, wenn Haarbruch allein deine Symptome nicht vollständig zu erklären scheint.
 
©Hairfinder.com
 
Siehe auch: Noch mehr Fragen zu Dünnendes und Feines Haar