Blonde, Rothaarige und die Haardichte

Mädchen mit blonden Haaren und ein rothaariges Mädchen
Bild: Yurakrasil/Shutterstock
F: Warum haben Blonde eigentlich eine höhere Haardichte als Rothaarige?
 
A: Das ist eine besonders knifflige Frage, da es nur sehr wenige wissenschaftliche Quellen gibt, die die genauen Ursachen und Wechselwirkungen hinter den Unterschieden in der Haardichte bei Menschen mit verschiedenen natürlichen Haarfarben erklären. Während es jede Menge Infos über die durchschnittliche Haaranzahl, den Haardurchmesser und die Pigmentierung gibt, existieren überraschend wenige Studien darüber, warum sich diese Unterschiede im Laufe der Zeit überhaupt so entwickelt haben.
 
In der klinischen Forschung wird immer wieder darauf hingewiesen, dass die oft zitierten „Fakten“ – also dass Blonde eine höhere Haardichte und Rothaarige einen größeren Haardurchmesser haben – lediglich grobe Bevölkerungsdurchschnitte und keineswegs feste Regeln sind. Diese Durchschnittswerte treffen nämlich oft überhaupt nicht mehr zu, sobald man sich den Kopf einer einzelnen Person anschaut.
 
Während der durchschnittliche menschliche Kopf zwischen 100.000 und 150.000 einzelne Haare hat, variieren die Gruppendurchschnitte je nach Haarfarbe spürbar:
 
• Blonde: 140.000 bis 150.000 Haare/Strähnen
 
• Brünette/Schwarzes Haar: 100.000 bis 110.000 Haare/Strähnen
 
• Rothaarige: 90.000 Haare/Strähnen
 
Die Haardichte wird normalerweise als die Anzahl der Haare gemessen, die auf einem Quadratzentimeter der Kopfhaut wachsen. Bei einem gesunden jungen Erwachsenen liegt diese durchschnittliche Dichte zwischen etwa 175 und 300 Haaren pro Quadratzentimeter. Natürlich variiert das je nach Bereich der Kopfhaut; der Oberkopf (die Krone) ist dabei meistens viel dichter bewachsen als die Seiten.
 
Da es hier so eine große Bandbreite gibt, existieren logischerweise auch Ausnahmen von der Regel. Es ist absolut nicht ungewöhnlich, auf eine blonde Person zu treffen, die weniger Haare pro Quadratzentimeter hat als jemand mit roten, braunen oder schwarzen Haaren. Ebenso haben viele Menschen mit dunklerem Haar von Natur aus außergewöhnlich dichtes Haar, obwohl sie statistisch gesehen zu einer Gruppe mit einem niedrigeren Durchschnitt gehören.
 
Die gleiche Variationsbreite gilt übrigens für den Durchmesser des Haarschafts. Allgemein gilt, dass Rothaarige die dicksten einzelnen Haarsträhnen haben, während Blonde eher die feinsten besitzen. Manche Rothaarige haben jedoch sehr feines Haar, während einige Blonde mit überraschend kräftigen, dicken Strähnen glänzen. Genetik ist eben extrem individuell, und kein einzelnes Merkmal kann ein anderes exakt vorhersagen.
 
Ein Hauptgrund, warum diese Durchschnittswerte oft in die Irre führen, ist, dass Haardichte und Haardicke zwei völlig unterschiedliche Messwerte sind:
 
Die Dichte von blondem und rotem Haar
 

Dichte vs. Durchmesser

• Die Haardichte bezieht sich darauf, wie viele Haarfollikel in einem bestimmten Bereich der Kopfhaut wachsen.
 
• Der Haardurchmesser bezieht sich auf die tatsächliche Breite beziehungsweise Dicke jeder einzelnen Haarsträhne.
 
Da rote Haarsträhnen eine größere Querschnittsfläche haben, sind schlichtweg weniger Haare erforderlich, um die gleiche optische Abdeckung und das gleiche Volumen zu erreichen. Umgekehrt kann jemand mit einer sehr hohen Haaranzahl, aber feinen Strähnen – wie es bei vielen Blonden der Fall ist – Haar haben, das optisch dünner wirkt, obwohl die Person deutlich mehr einzelne Haare auf dem Kopf hat.
 
Die Haarfarbe selbst wird durch die Menge und Art des Melanins bestimmt, das im Haarfollikel produziert wird. Blondes Haar enthält relativ wenig Pigment, während rotes Haar seine charakteristische Farbe durch einen höheren Gehalt an Phäomelanin erhält. Die Gene, die die Haarfarbe beeinflussen, spielen auch bei vielen anderen Eigenschaften des Haarfollikels eine Rolle – einschließlich der Wachstumsmuster, der Form der Strähnen und des Durchmessers. Genomweite Studien konnten bisher jedoch keinen direkten genetischen Mechanismus nachweisen, der zeigt, dass ein bestimmtes Haarfarbengen die Anzahl der Follikel rein mechanisch vorgibt.
 

Evolutionäre Anpassung

Was die möglichen Gründe für diese allgemeinen Trends angeht, ist die logischste Erklärung die evolutionäre Anpassung. Obwohl dies weitgehend theoretisch bleibt, ist die Logik dahinter absolut schlüssig.
 
Da blonde Haarschäfte meist feiner sind, waren im Laufe der Generationen wahrscheinlich mehr einzelne Haare nötig, um eine ausreichende Abdeckung der Kopfhaut, Wärmeregulierung und Schutz vor UV-Strahlung zu bieten, als menschliche Populationen in höhere Breitengrade abwanderten. Rotes Haar, das in der Regel einen größeren Durchmesser hat, benötigte hingegen weniger Haare, um einen ähnlichen Schutz vor Umwelteinflüssen zu erzielen. Über Jahrtausende hinweg haben sich diese sich ergänzenden Eigenschaften vermutlich gemeinsam entwickelt.
 
Auch wenn diese statistischen Trends faszinierend sind, solltest du sie also keinesfalls als absolute Regeln betrachten. Die natürliche Haarfarbe kann dir zwar Hinweise darauf geben, was innerhalb einer Population typisch ist, aber das tatsächliche Aussehen und die Eigenschaften der Haare eines einzelnen Menschen werden letztendlich von einer ganz einzigartigen, komplexen Kombination aus Genetik und Lebensstil bestimmt.
 
©Hairfinder.com
 
Siehe auch: Noch mehr Fragen zu Haar Wachstum